von Ursula Hillrichs
Die Sommerferien sind nicht mehr weit und die Abgänger der weiterführenden Schulen planen ihre Abschlussfeiern. Das gilt auch für die Georg-von-Neumayer-Realschule, die 57 Jugendliche mit dem Qualifizierten Sekundarabschluss I – also der „Mittleren Reife“- ins Leben entlässt.
Schulleiter Jörg Oeynhausen ist stolz auf alle seine Schülerinnen und Schüler, die den Abschluss geschafft haben. „Da sind einige dabei, die aus unterschiedlichsten Gründen ein paar Mäander nehmen mussten, um dorthin zu gelangen, und auch welche, die beruflich noch nicht orientiert sind“, berichtet er.
Tatsächlich sind etwa 44 Prozent der Schulabgänger mit Abitur und 32 Prozent der Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nach der Schullaufbahn unentschlossen. „Aber es gibt auch Schüler, die wissen schon genau, wie es weitergehen soll. Da lohnt es sich auch, einmal draufzugucken“, findet Oeynhausen. Das haben wir getan und uns mit vier Jugendlichen, auf die das zutrifft, unterhalten.
Da ist zunächst einmal Marie Deißler - wie ihre Mitschüler 16 Jahre alt. Der Anstoß für ihre Entscheidung ist etwas ungewöhnlich: Verantwortlich für ihre Berufswahl sei das ZDF und da speziell eine Fernsehserie, erzählt sie. „Ich habe schon, als ich klein war, ‚Lena Lorenz – Willkommen im Leben‘ geguckt. Da geht es um eine Hebamme, die die Großstadt Berlin hinter sich lässt, in ein Dorf zieht und sich dort wohlfühlt.“ Das habe sie inspiriert und nicht mehr losgelassen, sagt sie. „Ich mag einfach Babys und alles, was damit zu tun hat, und jetzt will ich Hebamme werden. Die Praktika während der Schulzeit haben mich darin bestärkt.“ Marie beginnt demnächst eine Ausbildung zur Pflegefachfrau, die ihr nach dem Abschluss den Zugang zum Hebammenstudium ermöglicht. „Meine Eltern finden meinen Plan gut und unterstützen mich bei meinem Berufswunsch“, fügt sie hinzu.
Das tun auch die Eltern von Lukas Kutzner, der seit der 8.Klasse weiß, was er werden möchte: Physiotherapeut. „Meine Mutter und meine Oma sind im pflegenden Bereich tätig und machen das gern. Das hat mich motiviert“, sagt er. Natürlich habe er, als er elf war, mal Feuerwehrmann oder Helikopterpilot werden wollen. „Aber das mit der Physiotherapie liegt mir mehr. Ein Schulpraktikum habe ich in einer entsprechenden Praxis gemacht und da gemerkt, dass das etwas für mich ist“, fährt er fort. Er bezeichnet sich selbst als energiegeladen, sozial und humorvoll. Mit diesen Voraussetzungen ist er in der Physiotherapeutenschule in Worms, wo er bald mit seiner Ausbildung beginnt, sicherlich gut aufgehoben.
Einen anderen Weg will Fabian Hirschler einschlagen: Er möchte Einzelhandelskaufmann werden. Für diese Entscheidung spielt auch hier das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle. „Eine Freundin meiner Mutter hat ein Küchenstudio“, erzählt er. „Da war ich während des Praktikums und das hat mir gut gefallen. Jetzt mache ich dort meine Ausbildung.“ Küchen planen also – ein anspruchsvoller Job. Jenseits der Büroarbeit geht es um technische Fähigkeiten, Vorstellungsvermögen und vor allen Dingen um Kommunikation mit Kunden. „Am Ende will ich ja eine Küche verkaufen. Bis dahin ist es oft ein langer Weg. Ich glaube, das wird sehr abwechslungsreich.“
Der vierte im Bunde ist Ben Oberlies, dessen Berufswunsch sich ebenfalls schon früh und in der Familie entwickelt hat: Er möchte Polizist werden. Vor der Ausbildung liegen aber zunächst noch zwei Jahre an der Fachoberschule in Göllheim, bei der er angemeldet ist. „Mein Vater ist bei der Polizei, zwei meiner Onkel bei der Bundeswehr“, berichtet er. Ob er kritische Situationen, in die seine Angehörigen sicherlich immer mal wieder geraten, nicht beeinträchtigend findet? „Nein“, betont Ben, „ich habe immer alle als zufrieden erlebt.“ Er bezeichnet sich selbst als kontrolliert, sozial und hilfsbereit. Diese Eigenschaften werden ihm sicherlich bei seiner beruflichen Laufbahn zugutekommen.
Alle vier fühlen sich durch die Angebote der Neumayer-Schule auf das Berufsleben gut vorbereitet. „Wir kümmern uns früh und ausgiebig um die berufliche Orientierung unserer Schüler“, sagt Stefan Klemme, der stellvertretende Schulleiter. „Zwei Praktika sind verpflichtend, es gibt Besuche auf Berufsbildungsmessen und individuelle Gespräche mit Kollegen und einer Berufsberaterin. Das hat offensichtlich den jungen Leuten geholfen, sicher und selbstbewusst ihren Weg zu gehen.“
